| Die tschechischen Entwickler von Bohemia Interactive konnten bereits mit "Operation Flashpoint" einen riesigen Erfolg verbuchen. Nun versucht man, den Weg der realistischen Kriegssimulation weiter zu gehen und liefert mit "Armed Assault" weiteren Taktik-Shooter-Nachschub. Dass das Spiel klar auf den Multiplayer-Part ausgerichtet ist, versteht sich - kennt man den inoffiziellen Vorgänger - von selbst. Doch beginnen wir einmal mit der Story ...
Der Hintergrund
Auf der imaginären, 400 Quadratkilometer großen (4 Mal so groß wie "OF" und "Resistance" zusammen) Insel Sahrani kommt es zum Konflikt zwischen dem kommunistischen Norden und dem neuerdings von den Amerikanern unterstützten demokratischen Süden. Bis zum Eingreifen der Amerikaner, die die demokratische Monarchie beim Aufbau einer Armee unterstützen wollen, hatten sich die beiden Länder gut verstanden, lebten in Koexistenz - doch nun vermutet der Norden eine Aggression hinter dem militärischen Aufrüsten.
Als Spieler übernehmen Sie die Rolle eines Soldaten in einem US-Kontingent im Süden des Landes. Ihre Hauptaufgabe liegt darin, die Armee auszubilden sowie den Norden aufzuhalten und zurückzudrängen. Welche Rolle Sie als Soldat freilich übernehmen, liegt an Ihnen: Sie können Teil einer Spezialeinheit sein, ein Panzerkommando übernehmen oder als Scharfschütze oder Pilot ins Geschehen eingreifen - vollkommene Freiheit garantiert. Zu Beginn der zwanzig Singleplayer-Missionen sind Sie materiell hoffnungslos unterlegen und können nur bei kleineren Scharmützeln erste Erfolge feiern. Doch bald scheint sich das Blatt zu wenden.
Das Gameplay
Neben dem abwechslungsreichen Surrounding der Insel Sahrani, das von der Steppe bis hin zu Weinhängen und von Wäldern bis zu hohen Gebirgszügen reicht, setzt das Spiel auf Realismus und Freiheit des Spielers. Das Interface ermöglicht nicht nur eine Sicht auf das gerade gesteuerte Vehikel und dessen Zustand, sondern auch auf die eigene Bewaffnung, die Funkmeldungen und das Radar. Auch Befehle an Teamkameraden und Untergebene werden direkt aus dem Interface heraus gegeben.
Eine Art Karte gibt es bei "Armed Assault" zwar, aber die Position auf der selben wird nur im leichtesten der drei Schwierigkeitsgrade ("Kadett") angezeigt - sonst müssen Sie Ihre Position durch Umgebung und Kompass selbst bestimmen. Überhaupt ist die Orientierung auf der riesigen Karte, auf der Sie sich flexibel bewegen können, eine der Hauptaufgaben, falls Sie nicht im leichtesten Modus spielen: So müssen Sie mit Hilfe des Kompass und der Uhr, der Peripherieanzeige, die wichtige Punkte außerhalb des Sichtfelds markiert, oder der GPS-Peilung die Bewegungsrichtung angeben.
In den Einsatzbesprechungen zu den Missionen, die sich - neben diversen Trainingsmissionen - teils an realen Szenarien orientieren, werden Sie über die wichtigsten Ziele und Aufgaben informiert sowie über geographische Besonderheiten in Kenntnis gesetzt. Hier können Sie auch die Position, die Sie wahrnehmen möchten, wechseln.
Bei den Fortbewegungsmöglichkeiten hat sich Bohemia Interactive wieder mächtig ins Zeug gelegt und den Grad des Realismus ordentlich in die Höhe getrieben: So können Soldaten nicht nur laufen, springen und gehen, sondern auch lehnen, die Waffe senken und heben schwimmen und natürlich gebückt gehen bzw. robben. Neben der beliebten Ego-Perspektive stehen dem Spieler nun auch eine 3rd-Person-Perspektive sowie eine Waffen-Ansicht zur Verfügung.
Auch der gesundheitliche Zustand Ihres Alter-Ego hat direkte Auswirkungen auf das Spielgeschehen: Sprinten Sie viel und legen auf einen Feind an, haben Sie keine ruhige Hand und schießen wahrscheinlich vorbei. Auch die Ballistik eines Geschoßes wird bei "Armed Assault" realistisch simuliert: Somit dauert es eine Weile, bis das Projektil sein Ziel erreicht.
Als Anführer und Kriegsherr
Sollten Sie das Kommando über einen Trupp haben, so können Sie nicht nur das Verhalten beim Angriff sowie die Teambildung bestimmen, sondern beispielsweise auch festlegen, wie sich Ihre Kollegen fortbewegen - alleine hier stehen sieben verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl: Kolonne, gestaffelte Kolonne, Keil, Staffel links, Staffel rechts, V-förmig und Reihe.
Zusätzliche Unterstützung erhalten Sie auf den Gebieten Medizin, Munition und Fahrzeuge: Sollte einer Ihrer Männer oder gar Sie selbst einmal verwundet sein, so können Sie einen Sanitäter anfordern oder sich ins Lazarett schleppen. Sollte Ihnen die Munition ausgehen - was sehr rasch der Fall sein kann -, müssen Sie mit Ihrem Fahrzeug zurück in die Zentrale fahren und sich auffüllen lassen. Als Infanterist ist dies jedoch nicht so leicht möglich, weswegen Sie natürlich Munition und Waffen Ihrer gefallenen Kumpel und Gegner aufnehmen können.
Auf der Seite der Fahrzeugunterstützung können Sie bei Treibstoff- oder Munitionsknappheit auch zu einer Unterstützungseinheit (Versorgungs-LKW) fahren und sich aufmunitionieren und betanken lassen.
Insgesamt ungefähr 42 Waffen, 47 Landfahrzeuge (militärisch und zivil), 11 Lufteinheiten und vier Boote wie Schiffe sorgen zusammen mit den fünf Versorgungseinheiten für Realismus und Spannung. Das vierzigseitige Buch bietet neben einer praxisnahen und schnellen Einführung ins Spiel auch Kampftaktiken sowie einen guten Hintergrund zum Spiel.
Im Einzelspieler-Modus wird die Story auf der strategischen Karte weitererzählt und vor jedem Einsatz (egal, ob nun Mission oder Nebenschauplatz) wird diese Übersicht mit dem aktuellen Status aktualisiert. Wenn Sie die Story vorantreiben wollen, dann sollten Sie die Hauptmissionen spielen. Sollten Sie sich aber Ihr Leben leichter machen wollen, indem Sie nachhaltig auf die Geschichte verändern - beispielsweise zerstören Sie einen Flughafen, der sonst in einer anderen Mission vom Gegner als Stützpunkt verwendet werden hätte können.
Multiplayer und Erweiterungen
Wie bereits erwähnt liegt der eindeutige Fokus auf dem Multiplayer-Modus, den mehr als 100 Spieler gleichzeitig via LAN oder Internet nutzen und sich heiße Gefechte liefern können. Somit kann man sagen: Der nächste LAN-Party-Knüller und Internet-Kracher steht ab heute im Handel! Die Modi umfassen neben den klassischen Aufgaben wie "Capture the Flag", "Death Match", "Team Death Match", "Attack & Defend" und "Capture and Hold" auch weitere Modi, die speziell von der Community gewünscht und gefordert wurden.
Überhaupt gibt sich Bohemia sehr offen, was die Einbindung der Community anbelangt: Ähnlich wie bei "Operation Flashpoint" kommt das Spiel mit einem eigenen Editor in den Handel, bietet eine eigene Scriptsprache und eine sehr offene Spielarchitektur, die die Entwicklung und den Einbau von Modifikationen sehr leicht zulässt.
Die Grafik
Mit der entsprechenden Hardware bekommt man bei "Armed Assault" realistische Kriegsschauplätze und toll designte Landschaften zu sehen wie kaum zuvor. Realismus wird ganz groß geschrieben - auch in diesem Bereich: Seien es nun die Bewegungen oder die Details an den Waffen - alles sieht beinahe fotorealistisch aus. Auch die einzelnen Soldaten haben verschiedenen Charakteristika - somit steht einer Identifikation mit dem eigenen virtuellen Protagonisten nichts mehr im Wege.
Steuerung und Sound
Die Steuerung ist zwar aufgrund der Komplexität gewöhnungsbedürftig, bietet aber nach kurzer Einspielzeit keine Probleme mehr: Ein schneller Einstieg in die Basissteuerung ist möglich, darüber hinausgehend erfordert es mehr Zeit und Geduld sich schnell und gezielt durch Menüs zu navigieren sowie Spezialmanöver auszuführen.
Die Musik ist spannungsgeladen und sehr gut gelungen. Auch die Soundeffekte sind realistisch und unterstützen die Atmosphäre vom ersten Augenblick an.
Zusammenfassung
Mit "Armed Assault" hat Bohemia Interactive einen würdigen Nachfolger für "Operation Flashpoint" geschaffen und kann sich im Feld der eher arcade-lastigen Shooter rund um "2142 Battlefield" gut behaupten. Besonders die starke Fokussierung auf Realismus, der Multiplayer-Teil sowie die Offenheit Erweiterungen gegenüber sind Stärken, die die tschechischen Entwickler schamlos ausspielen. Leider sind die Hardware-Anforderungen etwas hoch geraten - aber für Fans lohnt sich bei diesem Spiel sowieso der Kauf eines neuen PCs. Also, für Taktik-Shooter-Fans, die gerne in einem imaginären Krieg mitspielen und vor allem Realismus schätzen: Absolute Kaufempfehlung! Alle anderen sollten sich das Spiel einmal ansehen - vielleicht ist es teilweise (nicht nur im Bereich der Darstellung, der vor allem derzeit sehr umstritten ist, sondern auch im Bereich des Schwierigkeitsgrades) schon zu realistisch ...
Plus:
+ Extrem realistisch
+ Innovative Elemente
+ Nachfolger von "Operation Flashpoint"
+ Multiplayer-Part
+ Editor
+ Modifikationen möglich
Minus:
- Extrem realistisch
- Hardware-Hunger
- Kurzer Singeplayer-Modus
Radio-Beitrag
Entwickler: Bohemia Interactive Studios
Vertrieb: Morphicon Limited
Kategorie: 3D-Taktik
Release: 30.11.2006
Eignung: Fortgeschrittene
Freigabe: 16 Jahre
ehr dazu bei www.gamingxp.com

Wertung:
      
 |